Tatsächlich gibt es in den Geistes- und Sozialwissenschaften eine besonders hohe Zahl von Promovierenden, die sich während der gesamten Promotion oder zumindest zeitweise durch außeruniversitäre Erwerbstätigkeiten finanzieren. Zum einen, weil Stellen an der Universität und Stipendien nicht immer verfügbar sind, manchmal auch nur einen Teil der Promotionsdauer abdecken können. Zum anderen, weil sich berufliche Praxis und Forschungsprojekt im günstigsten Fall gegenseitig bereichern können. Zudem ist eine Promotion bei der Bewerbung auf Führungspositionen z. B. in Kultur- und Bildungseinrichtungen oft gerne gesehen; insofern kann die Promotion neben dem Beruf auch Teil der beruflichen Weiterentwicklungsstrategie sein. Bei einem klar akademischen Karriereziel dagegen sind Tätigkeiten innerhalb der Wissenschaft oft nützlicher als außerakademische Berufserfahrungen.

Bei einer Individualpromotion ist es also möglich, neben der Promotion zu arbeiten (bei strukturierten Promotionsprogrammen ist es oft möglich, sich als „assoziiertes Mitglied“ an dem Programm zu beteiligen, wenn die Finanzierung nicht über Stipendien/Stellen im jeweiligen Programm erfolgt).

Nicht selten wird eine Promotion auch parallel zu beruflichen Weiterqualifikationen, wie z. B. Referendariat/Vikariat (Lehramt, Recht, Theologie), Volontariat (Journalismus, Museum) oder Psychotherapeut:innenausbildung, verfolgt.

Wenn Sie eine nebenberufliche Promotion anstreben, sollten Sie sich vor allem die folgenden Fragen stellen:

  • Welche Ziele will ich mit der Promotion erreichen? Möchte ich später eher in die Wissenschaft oder auf den außeruniversitären Arbeitsmarkt und passt mein Promotionsweg zu diesen Zielen? Welche Kompetenzen und Erfahrungen können mir für den Berufseinstieg nach der Promotion nützlich sein und wie kann ich diese erwerben?
  • Wie sieht eine realistische Zeitplanung mit ausreichend Freiräumen zur Erholung aus?
  • Wie lange wird die Umsetzung meines Promotionsprojekts unter den gegebenen Bedingungen realistischerweise brauchen?
  • Habe ich die zeitlichen Kapazitäten, an Doktorandenkolloquien, Workshops, internationalen Tagungen etc. teilzunehmen? Brauche ich das für mein Projekt und für das Ziel, das ich mit der Promotion verfolge?
  • Wie kann ich mit der Wissenschaft, anderen Early-career-Wissenschaftler:innen, aber auch meinen Betreuungspersonen in Kontakt bleiben und der Isolierung am Schreibtisch entgegenwirken?

Wir empfehlen hierzu, frühzeitig das offene Gespräch mit der Betreuungsperson zu suchen. Ggf. kann auch eine Beratung bei der GSHS-Geschäftsstelle weiterhelfen.

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